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Sankt Martin, das Laternenfest und die Erinnerungen, die bleiben

Das Zeitarc-Team/

Die Geschichte ist immer dieselbe. Im November versammeln sich Familien in deutschen Kindergärten und Grundschulen, jedes Kind hält eine selbstgebastelte Laterne, ein Pferd geht voraus mit einem Mann im roten Mantel, und alle singen "Ich geh mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir". Es ist kalt. Manchmal regnet es. Trotzdem geht jedes Kind gern.

Das ist das Sankt-Martins-Fest. Oder, in Norddeutschland, das Laternefest, das oft auch mit Halloween-Resten und ostfriesischen Lichtertraditionen vermischt ist. Egal wie es bei dir vor Ort heißt — die Bilder sind ähnlich. Und wenn dein Kind irgendwann zehn ist, wird es nicht mehr mitgehen wollen. So funktioniert das mit Kindheitsritualen.

Genau deshalb gibt es ein schmales Zeitfenster, in dem du diese Erinnerungen festhalten kannst. Sechs, vielleicht sieben Jahre. Und dann ist es vorbei.

Warum das Laternenfest besonders ist

Anders als Weihnachten oder Ostern findet das Laternenfest außerhalb des Hauses statt. Es ist ein Ritual im Dunkeln, draußen, in der Gruppe. Jedes Kind hat eine Laterne, die es selbst gebastelt hat — oder die zumindest mit Hilfe von Eltern und Erzieherinnen entstanden ist. Diese Laterne ist persönlich. Kein Kind hat dieselbe.

Und es geht nicht darum, was die Kinder bekommen (anders als Weihnachten). Es geht nicht darum, was sie suchen (anders als Ostern). Es geht ums Mitlaufen. Ums Singen. Ums Sehen anderer Lichter in der Dunkelheit. Ums Vertrauen in die Hand der Eltern. Ums Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Das ist eine seltene Form von Kindheitserinnerung. Sie braucht Worte, Fotos und vor allem Töne, um lebendig zu bleiben.

Was du jedes Jahr festhalten solltest

Hier ist die Sache: Wenn du nur einmal das Laternenfest dokumentierst, ist das schon viel. Aber wenn du es jedes Jahr dokumentierst — auch nur kurz — hast du am Ende eine Serie. Und Serien sind in Familienerinnerungen das Wertvollste, was es gibt.

Pro Jahr brauchst du:

Ein Foto der Laterne. Egal wie krumm sie geworden ist, egal wie viel Klebstoff am Rand. Halte sie vor einer Kerze, mach ein Foto. Notiere kurz: Welches Motiv? Welche Farben? Wer hat geholfen? Aus welchem Material?

Ein Foto deines Kindes mit der Laterne. Im Mantel, mit Mütze, mit roten Wangen vom Wind. Idealerweise im Halbdunkel, sodass die Laterne leuchtet.

Eine Tonaufnahme des Singens. Das ist der Teil, den die meisten Eltern vergessen — und der Teil, der in zwanzig Jahren am meisten weh tun wird, wenn er fehlt. Stell dein Telefon einfach in die Manteltasche und lass es 30 Sekunden mitlaufen. Du musst nichts ankündigen, nichts inszenieren. Die Stimme deines Kindes, wie sie versucht, "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne" zu singen — vielleicht im falschen Ton, vielleicht mit halben Worten, vielleicht aufgeregter als der Text es eigentlich verlangt — das ist nicht zu ersetzen.

Eine kurze Notiz. Wer war dabei? In welcher Gruppe oder Klasse seid ihr mitgegangen? Welche Strecke? Hat das Pferd seinen Auftritt gehabt? Gab es Stutenkerle oder Weckmänner danach? Wie lange seid ihr geblieben? Wer hat sich am Ende über die kalten Hände beschwert?

Die Beziehung zum Festumzug. Hat dein Kind dich an der Hand gehalten oder ist es vorausgelaufen? Hat es geweint, als die Laterne kaputtging (es geht immer eine kaputt — irgendwann)? Hat es Freunde getroffen? Wollte es nach zehn Minuten schon wieder nach Hause oder wäre es bis Mitternacht draußen geblieben?

Die Veränderung über die Jahre

Hier kommt der eigentliche Schatz. Wenn du das fünf oder sechs Jahre lang dokumentierst, wirst du eines Tages diese Reihe nebeneinander sehen — und du wirst nicht glauben können, wie sehr sich dein Kind verändert hat.

Erstes Jahr: Im Kinderwagen, halb schlafend, die Laterne am Wagen befestigt, weil es noch zu klein ist, um sie selbst zu halten. Die Mutter singt, das Kind blinzelt manchmal hoch.

Zweites Jahr: Auf dem Arm des Vaters, die Laterne in der eigenen Hand, aber ständig in Gefahr abzubrechen. Singt nicht mit, weiß die Worte noch nicht. Schaut nur große Augen auf die anderen Lichter.

Drittes Jahr: Läuft selbst, gibt aber alle 50 Meter die Hand. Singt einen einzelnen Vers laut mit ("Sonne, Mond und Sterne!"), dann verstummt es wieder.

Viertes Jahr: Will vorne mitlaufen, beim Pferd. Kennt fast den ganzen Text. Erzählt am nächsten Morgen begeistert davon, was Sankt Martin gemacht hat (das hat es im Kindergarten gelernt). Will das Lied beim Frühstück nochmal singen.

Fünftes Jahr: Hat eine richtig schöne Laterne gebastelt — mit Drachen, mit Sternen, mit aufgeklebten Punkten. Stolzes Kind. Trifft Freunde im Umzug. Wenn es zurück ist, will es nochmal mit der Laterne in der Wohnung umherlaufen, weil "drinnen sieht sie auch schön aus".

Sechstes Jahr: Findet das Laternenfest "noch okay", ist aber schon ein bisschen zu cool. Geht trotzdem mit. Hält die Laterne lässig, fast schon halbherzig. Singt, weil Mama und Papa singen. Auf dem Heimweg fragt es zum ersten Mal: "Müssen wir nächstes Jahr wieder?"

Siebtes Jahr: Geht nicht mehr mit.

Diese Reihe — wenn sie auf einer Zeitleiste sichtbar wird — ist eine Kurzgeschichte einer Kindheit. Eine, die ohne Worte, nur durch Bilder und kleine Töne erzählt wird. Aber jedes einzelne Jahr für sich ist nur ein Foto. Erst die Summe macht sie zu etwas Großem.

Warum gerade jetzt anfangen?

Wenn dein Kind dieses Jahr zum ersten Mal mit Laterne geht, dann ist das die perfekte Gelegenheit, eine Tradition zu starten. Nicht das Mitgehen — das wirst du sowieso. Sondern das Festhalten.

Wenn dein Kind schon im dritten oder vierten Laternenjahr ist, ist es immer noch nicht zu spät. Eine Reihe von vier Jahren ist immer noch eine Reihe. Vier Bilder, vier Töne, vier Notizen — das wird in fünfzehn Jahren immer noch ein Schatz sein.

Wenn dein Kind schon zu groß ist, um mitzulaufen — schreib auf, was du erinnerst. Schau in deine Fotos vom letzten Jahr. Vielleicht findest du ein verschwommenes Bild, das es wert ist, mit einer Notiz versehen zu werden.

Eine Vorlage für jedes Jahr

In Zeitarc kannst du eine wiederkehrende Laternenfest-Vorlage anlegen. Jeden November kommt ein neuer Eintrag dazu. Mit der Zeit entsteht eine Sammlung, die immer dieselbe Form hat — und genau dadurch ihre Stärke gewinnt. Jeder neue Eintrag verstärkt alle vorherigen, weil er sie in einen Zusammenhang stellt.

Manche Familien fügen auch andere Herbstfeste in dieselbe Vorlage ein — Erntedank, Halloween (das in Deutschland inzwischen fast überall gefeiert wird), den ersten Schnee. So entsteht eine kleine Herbstchronik für jedes Kind.

Das Geschenk an dein zukünftiges Selbst

Hier ist eine harte Wahrheit: Du wirst dich an viele Sachen aus dieser Zeit nicht mehr erinnern. Du erinnerst dich heute schon nicht mehr an alles, was vor zwei Jahren beim Laternenfest passiert ist — und das sind erst zwei Jahre.

In zehn Jahren wirst du diese Bilder, diese Stimmen und diese kleinen Notizen ansehen und denken: "Wie konnte ich das vergessen?" Und du wirst dir selbst dankbar sein, dass du es heute aufgeschrieben hast.

Das ist es, was Familienerinnerungen sind. Geschenke, die du heute verpackst, damit dein zukünftiges Selbst sie öffnen kann. Geschenke, die mit der Zeit wertvoller werden, nicht weniger wertvoll.

Sankt Martin geht jedes Jahr durch die Stadt. Aber dein Kind, so wie es heute ist — das gibt es nur dieses eine Jahr.

Beginne, die Geschichte deiner Familie festzuhalten

Zeitarc macht es einfach, jeden Meilenstein, Moment und jede Erinnerung zu bewahren.